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Tauchlehrerausbildung goes home-schooling

Klar, Meetings, Schulungen, Sportworkouts und selbst Konzerte online zu verfolgen, ist in der aktuellen COVID19-Situation längst normal geworden. Wieso also nicht das gleiche Konzept für die Theorieausbildung der aktuellen TL-Anwärter übernehmen? Schließlich hat man im BLTV bereits gute Erfahrungen auf dem Gebiet, dank der letztjährigen TrC-Ausbildung.

Freitag 16.04., 19:00 Uhr. Endlich ist es so weit. Alle treffen sich in ihren Klassenräumen und fiebern dem Start des Unterrichts entgegen. Etwas geschwätzt muss natürlich auch werden, denn man sieht das eine oder andere bekannte Gesicht unter den Teilnehmern und Ausbildern wieder. Auch zwischen den Vereinen kennt man sich bereits aus dem TrC – Lehrgang, diversen Spezial – und Aufbaukursen oder auch dem TL*- Unterricht. Die Freude auf die Anderen und die Neugierde auf den Unterricht ist durch die “neue” Situation vor der eigenen Webcam absolut nicht getrübt. Gefühlt sogar etwas besser, da jeder heutzutage seine Wohlfühlzone schätzen gelernt hat. So lässt es sich auch prima und mit voller Aufmerksamkeit Axels ersten Vortrag des Abends folgen. Zur Einstimmung auf ein sehr lehrreiches und informatives Wochenende dürfen wir TL2-Anwärter den aktuellen Tauchunfallzahlen und deren Ursachen aus der Unfallforschung lauschen. Gut, dass es danach mit einem leichteren Thema “Tauchtechnik und die aktuellen Ausrüstungsempfehlungen” weitergeht. Im zweiten virtuellen Klassenzimmer verstand sich Manni darauf, den TL1ern die ersten Grundlagen der “Anfängerausbildung im Freiwasser” zu vermitteln.
Aber, was wäre der erste Abend ohne gemütliche Gespräche nach Unterrichtsende? So sitzen wir TL2-Anwärter und auch der eine oder andere zukünftige TL3 noch geraume Zeit zusammen. Bei allen merkt man die Freude, dass es doch noch mit dem Seminar geklappt hat, auch wenn das mit dem “Online” nur bedingt ein physisches Treffen ersetzen kann. Dennoch, wir lassen uns den Spaß nicht nehmen, schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen und bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand.

Samstagmorgen, ordentlich erzogen, wie wir alle sind, legen wir pünktlich um 08:00 Uhr mit den ersten Vorträgen los. Fast pünktlich, zuvor muss die eine oder andere “Feststellung” korrigiert werden. “…der BLTV manipuliert seine Ausbilder.”, hört man aus der Runde. Lachend stellt Axel Rimpler die gewagte These richtig: “Nur der Herr Schlüter manni-puliert!” (angelehnt an das Motto des vergangenen TrC-Lehrgangs von 18/19). Nach einem Blick in die Runde fährt Axel fort: “Ich sehe, einige von euch sitzen im Dachgeschoss. Ich hoffe, ihr habt den Aufzug nicht benutzt.” Bei diesem Seitenhieb auf die früheren Zeiten im Hotel Kamin, kann sich keiner ein Schmunzeln verkneifen. Natürlich ist uns allen klar, dass wir hier im Rahmen einer Sportweiterbildung zusammensitzen.
Im TL1-Klassenzimmer werden die Anwärter währenddessen von hohem Besuch begrüßt. Uwe Hoffmann, Präsident des VDST, stieg spontan mit in die Runde ein und wünschte uns viel Glück, sowie ein gutes Durchhaltevermögen in dieser besonderen Ausbildung. Nach kurzen Glückwünschen für das heutige Geburtstagskind Kathi begann bei den TL1ern auch schon der Unterricht. Von Dieter Popel wurden wir alle auf den neusten Stand der VDST-konformen-Ausrüstungskonfiguration gebracht.

Begrüßung durch unseren VDST-Präsidenten Uwe Hoffmann

Für die TL2er startete Dennis mit dem Thema “Dekompressionsmodelle und Tauchgangsplanung”. Allein schon die kompetente Umsetzung des umfangreichen Themas müssen wir lobend anerkennen, dazu noch so früh am Morgen. Mittlerweile ist es kurz nach 08:00 Uhr. Und spätestens mit der Anmerkung “magere Ziegen reagieren deutlich unempfindlicher auf Dekompression wie adipöse”, hat er uns alle wieder bei der Materie. Bevor nun jemand diese Aussage in den falschen Hals bekommt. Es geht im Zusammenhang um eine Versuchsreihe der US Navy und nicht um Taucherinnen. Als wir auf die Pyle-Stopps und ihre Entstehung eingehen, wird auch wieder die kreative Ader im einen oder anderen von uns wach und mancher überlegt sich, ob er in Zukunft wirklich einen Fisch zum Punktieren dabeihaben sollte. Weitere Gedankengänge in Hinblick auf Meerjungfrauen lassen wir unkommentiert im Raum stehen ;o)

Nach einer kurzen Pause besuchen die TL2er die 1er in ihrem Klassenzimmer und es wurde nochmal ein gemeinsames Geburtstagsständchen gesungen. Dieter Popels Vortrag “Rechtssituation des Tauchausbilders, Versicherungen und Causa Tauchtechnik” ist wie gewohnt lebensnah und mit aktuellen Fällen garniert, da fällt es einem schwer, nicht der Materie zu folgen. Definitiv faszinierend ist hier die große Diskussionbereitschaft der Teilnehmer und auch die Erkenntnis, dass das Thema augenscheinlich viel zu wenig Zeit in der Ausbildung bekommt. Wer weiß, vielleicht entsteht hier und jetzt die Idee für einen größer angelegten Lehrgang, vielleicht einem “SK Recht”? Zumindest bei den aktuellen TL1- und TL2-Anwärtern ist die Motivation auf jeden Fall vorhanden.

Rechtsunterricht durch unseren “Rechtslehrer” Dieter Popel

Im weiteren Verlauf des Nachmittages schwört Manni seine angehend TL2er auf die Sozialkompetenzen eines Tauchausbilders ein. Man freut sich, anscheinend ist vieles für einen schon selbstverständlich geworden und wird teils unterbewusst schon gelebt. Intuition und Empathie gehören eben zu unserem “Job” dazu. Aber neben den Soft Skills gibt es selbstverständlich auch harte und konkrete Fakten. So werden wir in die aktuellen Sicherheitsstandards eingewiesen und bezüglich der Neuerungen aufgeschlaut.

Stichwort “aufschlauen”, Klaus Merk führt uns im weiteren Verlauf in die SK-Theorie “Strömungstauchen” ein, ein Bereich, den viele von uns bereits jetzt leben und lieben. Und ja, wir sind erstaunt, wie viel oder wie wenig man hier erzählen kann, je nachdem welchen Foliensatz man sich anschaut. Unsere einstimmige Meinung fällt jedenfalls auf den Ausführlicheren, der jedem von uns noch neues Wissen mitgeben konnte. Auch die TL1er bekommen das “Know-how” für einige Spezialkurse (u.a. Orientierung) und für den NITROX* von Klaus Merk erzählt. Neben den Kursen steht auch noch Knotenkunde auf dem Programm. Begeistert sitzt (fast) jeder mit einem Seil vor seinem Computer und versucht sich an einem Palstek. Dabei nutzt fast jeder eine andere Technik.
Wo wir schon bei Computer sind, einen “Tauchcomputer Workshop” von Axel gab es am Wochenende für beide Gruppen noch kostenlos obendrauf.
Nein, lieber Leser, wir sind mit dem Samstag noch nicht durch. Aber, wir sind auf einem guten Weg. Christophs Einblick in den “AK Tauchsicherheit und Rettung”, einem der spannendsten und aufwendigsten Kurse, ist extrem lebensnah und praxisorientiert. Nicht verwunderlich, dass wir alle sehr begeistert mitdiskutieren und der “Vortrag” zu einem lebendigen Austausch wird. Leider haben wir dabei völlig die Zeit vergessen und Christoph musste gegen Ende massiv Gas geben, um nicht zu überziehen, besser, nicht noch mehr zu überziehen. Zum Glück hat Manni ein Einsehen mit uns und verschiebt den letzten Vortrag des Tages. Wieso eigentlich? Es war doch erst 20:30 Uhr ;o)

Nein, wir sind nun nicht alle brav ins Bett. Es wäre doch keine gute TL-Theorie, wenn man abends nicht noch zusammensitzt und die eine oder andere Geschichte erzählt, jetzt in der großen Runde, gemeinsam mit unseren TL1-Anwärtern. Durch unser virtuelles Umfeld, blieb leider das von Tisch zu Tisch gehen oder das gemeinsame Abhängen an der Bar aus. Dennoch haben wir es auch hier geschafft, etwas wie ein Wir-Gefühl zu schaffen und die Vorfreude zu schüren, sich irgendwann an einem See oder wo auch immer persönlich zu treffen, sobald das alles guten Gewissens wieder machbar ist. Eines hat sich jedenfalls nicht geändert, egal ob im gleichen Raum oder im gleichen virtuellen Raum, die “Härtesten” haben sich, wie sollte es auch anders sein, völlig verquatscht und sind bis 01:30 Uhr am “Tisch” versumpft.

Auch am Sonntag starten wir wieder pünktlich und nur leicht derangiert in den letzten Tag. Axel setzt bei den TL2ern sein Thema Ausrüstung fort und stellte aktuelle Trends vor. Diese wurden und lebhaft diskutiert. Alles unter dem besonderen Gesichtspunkt, wie man mit Trends im Bereich des Tauchens umgeht. Eine Erwähnung hat hier definitiv das Sidemounttauchen verdient. Vor einigen Jahren noch als reine Modeerscheinung unter Sporttauchern abgetan und belächelt, scheint das hässliche Entlein langsam zum Schwan zu werden. Da mittlerweile in der Tauchercommunity etabliert, werden Vor- und Nachteile der großen Stilrichtungen zwischen Side- und Backmountern leidenschaftlich und auf Augenhöhe diskutiert. Auch wie man Monkey-Style-Taucher in der fortgeschrittenen Ausbildung von Sporttauchern betrachten soll, ist ein Punkt, schließlich gibt es immer mehr Kandidaten im ** und ***-Segment, die ihre Ausbildung gerne in Sidemountkonfiguration durchführen würden. Ein reger Erfahrungs- und Meinungsaustausch, wie man mit der Situation umgehen kann, ist hier in der TL2-Anwärter Runde automatisch gewachsen. Nicht verwunderlich, da auch unter uns der eine oder andere ist, der seine Flaschen lieber an der Seite trägt, statt am Rücken. Währenddessen gab es bei den TL1ern das Beste Thema für einen Sonntag-Morgen: Tauchphysik! Von Dennis wurde das doch eher trockene Thema jedoch lebendig, mit vielen anschaulichen Versuchen rübergebracht.
Auch der darauffolgende Unterricht (die Fortsetzung der Freiwasserausbildung) wurde von dem TL3-Anwärter Christoph uns motivierend nähergebracht.
Eines der weiteren Tageshighlights der TL2s sind Christophs Bilder zu einem Sauerstoffbooster-Unfall, der in seinem eigenen Bekanntenkreis vor einigen Jahren passierte. Hier kann man klar erkennen, warum die Empfehlungen bei der Arbeit mit Sauerstoff zu Metallschläuchen gehen. Ein vom Hersteller und Händler als sauerstoffrein verkaufter Schlauch war hier explodiert. Glücklicher Weise, hat niemand bleibende Schäden davongetragen. Die für uns große Erkenntnis ist, die Hilflosigkeit für uns als Nutzer, wenn doch mal was schief geht. Denn die Schuldfrage wurde, im hier geschilderten Fall, im Dreieck zwischen Nutzer, Hersteller und Händler hin und her gespielt. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Nutzer ein erfahrener Gasmischer ist, der auch die nötige Sorgfalt und Sachkenntnis in diesem Bereich hat. Dennoch, uns als Nutzer bleibt am Ende nur das schlichte Vertrauen in unseren Händler und den Hersteller des Schlauches. Wir können im Vorfeld nicht sagen, ob der Schlauch wirklich das hält, was er halten soll. In diesem Fall konnte nachgewiesen werden, dass der Schlauch bereits produktionsseitig verunreinigt war, was zuvor keiner erkennen konnte. Unser eigenes Fazit ist, dass jeder, der sich in den Bereich des Gasmischens wagt, eine entsprechende Ausbildung und Versicherung haben sollte.

Nach solch ernsten Themen geht es für uns mit Manni und seiner sehr motivierenden und leidenschaftlichen “Rede” weiter, wie wir angehende TL1-Anwärter erkennen, betreuen und motivieren können. Schließlich ist es eine unserer zukünftigen Aufgaben junges Blut in den Ausbilderkreislauf zu spülen. Ein Appell, der uns allen sehr bewusst ist und am Herzen liegt. Wäre schade, wenn die Qualität und der Zusammenhalt, die wir im BLTV leben und erleben, durch fehlenden Nachwuchs zum Erliegen kommen. Schlimmer, nur noch alte TLs am Krückstock unseren Nachwuchs betreuen oder unser Sport gar zum “alte Leute Sport” mutiert. Kurz um, wir haben hier den offiziellen Befehl unseres Landesausbildungsleiters, unsere Trainer C zu motivieren oder, wie man auch so schön sagt, zu “manni-pulieren” ;o) Bei uns hat es doch auch früher oder später geklappt. Ok, vielleicht musste auch der/die eine oder andere erst noch etwas lagern und reifen. Es scheint, als sei es mit Ausbildern wie mit gutem Wein, die Zeit macht ihn noch besser.

ein gut aufgelegter Landesausbildungsleiter(Foto: Klaus Merk)

Da wir hier gerade von Weiterentwicklung sprechen, von Klaus Cepl durften wir Tiefergehendes zum Thema Unterschiede in der DTSA, ähm, GDL *, **, ***-Ausbildung und rund um die Spezialkurse erfahren. Besonders konnte uns Klaus, aus seiner Warte als langjähriger TL4, sehr spannende Einblicke in die Entwicklung und Entstehung von SKs und deren Gremien dahinter vermitteln.

Zu guter Letzt sitzen wir alle in einem offenen Resümee zwischen Teilnehmern und Referenten, wie wir jeweils den Lehrgang erlebt haben. Definitiv positiv zu erwähnen ist die hohe technische Qualität, die Kompetenz der Referenten und auch die der Teilnehmer, alles Punkte, die die Veranstaltung erst lebendig, informativ und kurzweilig gemacht haben. Oft war nicht einmal das digitale Umfeld zu spüren und die eventuellen Befürchtungen, die damit einhergehen. Sprich, einseitige Beschallung durch die Referenten, zu großer Abstand und kein Wir-Gefühl. Im Gegenteil, es gab sehr viel Raum für Diskussionen und Erfahrungsaustausch. Vielleicht sogar etwas großzügiger, als wenn wir alle in einem Raum gewesen wären. Und klar, man hätte sich sicherlich gerne “real” gesehen, aber vergessen wir auch nicht die positiven Aspekte. In Präsenz wäre so eine Veranstaltung in unserer jetzigen Zeit leider nicht durchführbar gewesen. Auch konnten wir uns die teils langen Reisestrecken sparen und waren grundsätzlich gefühlt fitter, der berüchtigte Mief im Seminarraum fiel auch weg, im Gegenteil, jeder konnte sich sein eigenes, perfektes Seminarklima schaffen, um nur einige der Pluspunkte zu nennen. Wir sind jedenfalls schon jetzt gespannt, wie sich das digitale Lernen, egal in welcher Art, im VDST weiterentwickelt. Eins ist jedenfalls sicher, hier schlummert ein riesiges Potenzial.

Einziges, abschließendes großes Manko war/ist die unklare Situation, wie wir mit dem Lehrgang weitermachen können. Präsenztermine wie Medizin- und/oder Theorieprüfung sind bis auf weiteres erstmal nicht realisierbar. Aber auch hier können wir Manni zitieren, “wir werden eine Lösung finden”. Manni, Dir und allen Referenten ein dickes Danke, dass ihr gemeinsam mit uns diesen Testballon gestartet habt. Und wir freuen uns auf weitere, vielleicht neue, gemeinsame Wege in der Tauchausbildung.

Red.: Klaus Nüßlein, Bernd Brugger, Katharina Kohl

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